Die fünf Phasen einer Phantasiereise

Text: Dr. Evelin Fräntzel

Eine Phantasiereise besteht aus fünf Phasen:

  • 1. Phase: Vorbereitung - Atmosphäre schaffen
  • 2. Phase: Einstimmung - Entspannungsphase oder Ruhetönung
  • 3. Phase: Hauptteil und Höhepunkt - die eigentliche Phantasiereise
  • 4. Phase: Schlussteil - Rückkehr in die Realität durch Rücknahme
  • 5. Phase: Auswertung

1. Phase: Vorbereitung - Atmosphäre schaffen

Beispiel: Mögliche Vorbereitung auf eine Phantasiereise im Sitzen
Auf eine Phantasiereise begibt man sich immer nur freiwillig. Wählen Sie einen angenehmen Platz in Ihrer Wohnung, an dem Sie sich ungestört aufhalten können, breiten Sie auf dem Boden eine Wolldecke aus und legen Sie ein (Meditations-) Kissen darauf. Zünden Sie sich eine Kerze an, die Sie vor sich auf den Boden stellen. Oder aber setzen Sie eine Blüte in eine mit Wasser gefüllte Glasschüssel. Nehmen Sie im Lotus- oder Schneidersitz aufrecht, aber bequem auf dem Kissen Platz. Senken Sie Ihr Kinn leicht in Richtung Brust, um Ihren Nacken leicht zu dehnen. Versuchen Sie nun sich zu entspannen: Entspannen Sie Ihren Kiefer, öffnen Sie leicht Ihren Mund, legen Sie Ihre Hände mit den Handflächen nach oben auf Ihre Knie, Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis. Schließen Sie Ihre Augen bis auf einen kleinen Spalt, so dass Ihr Blick sich auf die angezündete Kerze oder die bereitgestellte Blüte richten kann. Spannen Sie Ihre Bauchmuskeln ein wenig an.

2. Phase: Einstimmung - Entspannungsphase oder Ruhetönung

Ziel der Entspannungsphase ist es, zur Ruhe zu kommen, den Alltag mit allen Gedanken und Gefühlen loszulassen. Zur Ruhe kommt man, indem man sich auf die ruhige Stimme des Erzählers und seine einleitenden Beruhigungsformeln konzentriert. Unterstützend wirken zudem bewusstes Ein- und Ausatmen. Die Umwelt tritt langsam in den Hintergrund und Entspannung breitet sich langsam aus. Eine Phantasiereise empfindet man besonders in einem entspannten Zustand angenehm. Man kann sich auf die Bilder, die entstehen, besser einlassen, zumal die mentale Leistungsfähigkeit gesteigert ist und die eigenen Gefühle sensibler wahrgenommen werden.

3. Phase: Hauptteil und Höhepunkt - die eigentliche Phantasiereise

Jeder Mensch kennt Orte innerer Kraft. Mit Phantasiereisen kann man auf angenehme Wiese zu diesen Orten innerer Kraft gelangen:

  • Die Phantasie kennt intensive Bilder für die Orte innerer Kraft.
  • Mit jeder Reise kann man zu einem anderen Seelenort gelangen, Vertrauen zu sich selbst wachsen lassen, Kraft und Zuversicht zu spüren.
  • Häufig werden Atem-, Ruhe-, Schwere- und Energieübungen in die Erzählung eingebunden.

Variationen

Phantasiereisen können den Zuhörer zu vertrauten Orten innerer Kraft führen, können ihn aber auch neue Seelenorte entdecken lassen:

  • die Weite des Meeres während eines Abendspaziergangs bei untergehender Sonne
  • die Ruhe des Sees bei aufsteigenden Nebeln
  • das Eintauchen in die Farbenpracht eines herbstlichen Blätterwaldes bei einem Waldspaziergang
  • die Freiheit bei einer Bergwanderung an einem strahlendblauen Sommertag
  • das Ausruhen unter einem alten Baum auf einer bunten Frühlingswiese
  • die Geborgenheit am lodernden Kaminfeuer
  • das Widererleben eines angenehmen Urlaubsortes

Weitere Varianten sind Begegnungen mit

  • dem inneren Kind
  • dem eigenen Schutzengel
  • einer weisen, alten Frau
  • einem weisen, alten Mann
  • einer guten Fee
  • einem guten Zauberer um Lösungen für bestimmte Problemstellungen zu bekommen.

Besonders ermutigende Möglichkeiten sind auch:

  • die Zukunftsvision; hier wird die Zukunft während der Phantasiereise entworfen und ausgestaltet, um sie in der Wirklichkeit leichter umsetzen zu können
  • oder die Ideensuche; hier sucht man während der Phantasiereise nach einer Idee, die man von der Reise mitbringt, um sie in Ziele umzusetzen. Wenn dem Zuhörer keine oder ganz andere Bilder und Gedanken erscheinen, als in der Phantasiereise angeleitet, soll er den eigenen Phantasien nachgehen und sich nicht zwingen, dem Text zu folgen. Die Erzähltexte dienen nur als Anregung. Das in der tiefen Phase der Entspannung aktivierte Unterbewusstsein leitet unsere inneren Bilder, Gedanken und Gefühle - unsere persönlichen Imaginationen. Und so ist es ganz natürlich, dass der Zuhörer sich von der geführten Reise entfernt und seine eigene entwickelt.

4. Phase: Schlussteil - Rückkehr in die Realität durch Rücknahme

In der letzten Phase Rückkehr in die Realität kommt man langsam wieder ins Hier und Jetzt zurück. Wichtig ist es, sich dabei genug Zeit zu lassen.
Jede Phantasiereise schließt mit ausgiebigem Dehnen und Strecken ab, um den Körper wieder zu spüren und in seine körperliche Realität und Umgebung zurück zu bringen und den Kreislauf wieder zu aktivieren.

5. Phase: Auswertung

Zurückgekehrt ins Hier und Jetzt sollte man Gedanken und erlebte Gefühle ausdrücken, um diese weiter verarbeiten zu können und auch um die Phantasiewelt von der Wirklichkeit klar abzugrenzen.
Werden Phantasiereisen in der Gruppe angeleitet, findet der Austausch mit den anderen Teilnehmern statt. Nacheinander erzählen alle (freiwillig) von ihren Erlebnissen, Gedanken, und Gefühlen während ihrer Reise. Wichtig ist, dass sie durch Bemerkungen und Bewertungen der anderen Gruppenmitglieder nicht unterbrochen werden. Haben alle Teilnehmer von ihren Erlebnissen erzählt, können Einfälle, Hinweise oder Ideen in ermutigender Weise weitergegeben werden.
Wenn man die Phantasiereise alleine angetreten ist, kann man durch Ausdrucksmalen oder andere kreative Methoden wie Töpfern, Kneten oder Erstellen von Kollagen die Reise verarbeiten.

Wichtig ist, sich ausreichend Zeit und Ruhe zur Besinnung zu lassen.

Insgesamt können diese fünf Phasen einer Phantasiereise bis 30 Minuten dauern. Tägliche Wiederholungen, möglichst am selben Ort, zur selben Zeit garantieren eine nachhaltige positive Wirkung.

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© Dr. Evelin Fräntzel, Gruppenleiterin für Progressive Muskelentspannung



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